Details
Weitere Details
El Ojo de Goliat
Kirsten Brandt
23.07.2026
Deutsch
205 S.
1.9 x 21 x 13.4 cm
mareverlag eG
mare@mare.de
Pickhuben 2
DE 20457 Hamburg
Lieferbar innerhalb 24 Stunden
Unser Tipp für Sie
Wenn Sie einen flockigen Urlaubsroman suchen, in dem sich Beschreibungen idyllischer Landschaft mit sanft-philosophischer Betrachtung und kuscheligen Teeplätzchen-Dialogen abwechseln, dann machen Sie besser einen großen Bogen um dieses kleine Buch. Denn das hat es in sich.
Der kriegsversehrte Ingenieur David Bradley übernimmt die Aufgabe, den Zustand des stillgelegten Leuchtturms "Goliath" auf einer winzigen Felsinsel weit vor der Küste Feuerlands zu inspizieren. Der letzte Leuchtturmwärter war der Professor für Naturwissenschaften Evans gewesen, einem zu lebenslanger Haft verurteiltem Mörder, der Frau und Tochter erstickt und dann einbalsamiert jahrelang unbehelligt in seinem Haus "ausgestellt" hatte. Wie sich herausstellt, ist Evans unschön auf der Insel gestorben und Bradley findet sein Grab vor - aufgeschichtet wohl vom meist schwer betrunkenen Kapitän des Versorgungsschiffs, das Bradley zwar zur Insel übersetzt, zum verabredeten Zeitpunkt der Abholung jedoch nicht erscheint. Dann bricht endloser Sturm los.
Das Wasser geht aus, die Vorräte verderben. Bradley ist, als kämen seltsame und keineswegs freundliche Besucher auf den Felsen. Mehr und mehr bestimmen die Geister einer traumatischen Vergangenheit das Geschehen. Und dies ist nur der eine Teil dieses Romans - der zweite entwickelt ein kleines Panoptikum der Psychiatrie der Zwischenkriegszeit.
Der Autor Diego Muzzio schreibt neben Romanen Kurzprosa und Gedichte und das ist zu spüren: Seine Sprache, das ist auch in der Übersetzung erhalten geblieben, ist knapp, trocken, dabei lyrisch. Ohne Schnörkel beschreibt er wahnhafte Erscheinungen, Angst, Gewalt und pures Grauen. Genauer gesagt beschreibt er nicht, er stellt fest. Gasangriffe in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs, klaustrophobische Zustände, fragwürdige psychiatrische Versuche - ein Sturm von einem Buch.
Empfohlen von Carsten