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26.03.2026
Deutsch
304 S.
2.6 x 21 x 13.4 cm
Ullstein Buchverlage GmbH
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Unser Tipp für Sie
Erwachsen sein, das bedeutet doch nicht, dass einem niemand mehr etwas sagt. Erwachsen sein heißt zu tun, was man sich vorgenommen hat, und niemand anderem die Schuld zu geben, wenn es schiefgeht.
Zitat Seite 147
Als Pina beim wöchentlichen Einkauf zusammenbricht, kreist ihr erster Gedanke nicht um sich selbst. Er gilt ihrem Sohn Leo. Leo ist zwanzig Jahre alt, Autist, und sein Alltag besteht aus festen Regeln, Routinen und Gewissheiten. Morgens steht er erst auf, wenn in seiner Lavalampe eine grüne Blase aufsteigt. Treppen tanzt er in seinem ganz eigenen Rhythmus. Pina kennt diese Abläufe auswendig. Sie ist die Konstante in Leos Leben. Bis sie plötzlich ausfällt.
Für die Nachbar:innen ist Leo bisher vor allem der sonderbare junge Mann aus dem Haus. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der zurückgezogene Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge tragen alle ihre eigenen Sorgen mit sich herum. Keiner von ihnen fühlt sich zuständig. Doch als Pina auf der Intensivstation liegt und Leo zum ersten Mal allein in seiner Wohnung ist, bleibt ihnen kaum eine andere Wahl, als sich um ihn zu kümmern. Nach und nach entsteht aus einer zufälligen Hausgemeinschaft etwas, das niemand erwartet hätte: ein Miteinander, das auf Verständnis statt auf Perfektion beruht.
Leos Autismus-Diagnose definiert ihn dabei nicht, sondern ist ein Teil von ihm – genau wie die Einsamkeit Inges, Wojteks Rückzug oder Zolas Orientierungslosigkeit Teil ihrer Persönlichkeiten sind. Vera Zischke erzählt von Menschen, die alle auf ihre Weise aus dem Takt geraten sind und erst durch die Begegnung miteinander wieder Halt finden.
Dabei greift der Roman ganz nebenbei Themen auf, die selten so eindringlich erzählt werden: die unsichtbare Last von Care-Arbeit, die Verantwortung, die pflegende Angehörige jeden Tag tragen, Einsamkeit, Überforderung und die Frage, wie inklusiv unsere Gesellschaft eigentlich wirklich ist. Trotzdem wirkt das Buch nie bedrückend. Immer wieder lockern leise humorvolle Momente die Handlung auf: Nicht laut oder aufgesetzt, sondern genau so, wie das Leben selbst manchmal mitten im Schweren Raum für ein Lächeln schafft. Pina fällt aus erzählt von Menschen, die funktionieren müssen, obwohl sie längst an ihre Grenzen gekommen sind. Und davon, wie viel entstehen kann, wenn Menschen anfangen, füreinander einzustehen, obwohl sie sich das nie vorgenommen hatten.
Dass die Autorin Vera Zischke selbst Mutter eines autistischen Sohnes ist, spürt man in jeder Zeile. Nichts wirkt konstruiert, die Geschichte wird ehrlich und voller Feingefühl erzählt.
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