Am Ende der Kleinigkeiten
Franziska Hauser gelingt es in 'Am Ende der Kleinigkeiten' über ein ernstes und schweres Thema einfühlsam und unterhaltsam zugleich zu schreiben.
Sie erzählt von einer äußerst schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung. Sie erzählt vom Leben und Aufwachsen in einer alternativen Gemeinschaft, von sozialer Herkunft und vom Theater.
Der Roman handelt von Vernachlässigung, Abhängigkeit und Ausbeutung, aber auch von Verantwortung, Freiheit, Solidarität und Liebe. Eben um all die Kleinigkeiten zwischen den Gegensätzen des Lebens.
Die liebenswerte Ich-Erzählerin Irma wächst bei ihrer narzisstischen und toxischen Mutter auf. Die beiden leben in einer alternativen Kommune die 'Zeugland' heißt und Irma wird weniger von ihrer Mutter, sondern mehr von der Gemeinschaft großgezogen.
Im Alter von 15 Jahren flieht Irma in die nächste Großstadt. Sie möchte ihr altes Leben hinter sich lassen.
Ich hatte geglaubt, in der Stadt gebe es alles. Hier war doch die Kommt-vor-Zone. Hier konnte man auch duschen, wenn das Holz für den Badeofen leer war. [...] In die ganze Welt konnte man von hier aus.
Zitat Seite 37
In der Stadt landet Irma zufällig beim Theater. Dort bekommt sie eine Chance, ergreift diese, baut sich ein eigenes Leben auf und wird doch immer wieder von den Erinnerungen eingeholt.
Sie erlebt Dramen nicht nur auf, sondern auch hinter der Bühne und erkennt, sie kann ihr Leben nicht nur spielen, sondern muss sich der Vergangenheit stellen und das Leben selbst in die Hand nehmen.
So Leute, wir wollen hier Theater machen, könnte mal bitte jemand zur Bühne kommen und das echte Leben rausschmeißen?
Zitat Seite 138
Franziska Hauser hat ihre Ich-Erzählerin mit ordentlich Lebenspragmatismus und viel Resilienz ausgestattet.
Mit erstaunlicher und überraschender Lässigkeit, stets warmherzig, erzählt die Autorin Irmas Geschichte.
Empfohlen von Lena