Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten
Gretas Vater ist ein genialer Arzt und Ermittler, der über die Grenzen Siziliens hinaus bekannt ist. Infolge seiner Berühmtheit ist sein Rat europaweit gefragt. Er wird zum Reisenden, der nicht gerne reist. Seit dem Tod seiner Ehefrau begleitet ihn seine Tochter Greta. Ihre Unscheinbarkeit ist ihr einerseits zuwider, andererseits kommt sie ihr bei Ermittlungsfällen zugute. Auch dieses Mal, als sie ihr Weg nach Bayern führt.
An einem heißen Augusttag des Jahres 1829 kommen Greta und ihr Vater, Dr. Grimaldi, in Nürnberg an. Die Stadt ist längst nicht so mondän, wie andere, in denen sie zuvor waren, auch nicht das beste Hotel am Platze, der Bayerische Hof. Dennoch quartieren sie sich ein und leben in den nächsten Wochen - aus denen Monate werden - dort. Der Bürgermeister ließ sie rufen. Der über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannte Kaspar Hauser ist in Gefahr. Drei Morddrohungen wurden gegen ihn geäußert. Wer trachtet nach dem Leben des jungen Mannes, dessen Herkunft nach wie vor unbekannt ist. Wer ist Kaspar Hauser? Wer sein:e Freund:e, wer sein:e Feind:e? Mit Hilfe ihrer eigenen Methoden versuchen Greta und ihr Vater, einen Mordanschlag zu verhindern.
Geschickt webt Davide Morosinotto die historische Person des Kaspar Hauser in eine fiktive Detektivgeschichte ein, die auch von den Konventionen des frühen 19. Jahrhunderts sowie den Anfängen kriminologischer Ermittlungsmethoden erzählt.
"Eine Hauslehrerin? Was für ein Unsinn! Sehen Sie denn nicht, dass niemand sonst in der Kutsche sitzt? Wir sind nur zu zweit, Greta und ich!"
Der Portier nickte verwirrt. In einem angesehenen Hotel wie diesem war es keinesfalls üblich, dass ein erwachsener Mann und ein junges Mädchen in derselben Suite übernachteten, auch dann nicht, wenn sie in getrennten Zimmern untergebracht waren.Zitat Seite 14
Für Verwirrung sorgen auch die Ermittlungsmethoden Dr. Grimaldis. Entgegen der Annahmen seiner Auftraggeber verlässt er das Hotel so gut wie nie. Zu Befragende werden von Greta gebeten, zu ihm ins Hotel zu kommen. Konventionen hin oder her ist sie deshalb häufig allein in der Stadt unterwegs und lernt Kaspar noch vor ihrem Vater kennen. Und Oskar, den Cousin des Freiherrn von Tucher. Von ihm geht eine ambivalente Anziehungskraft aus, die auch auch bei Greta nicht ihre Wirkung verfehlt.
Wer Historiendramen mit realem Hintergrund liebt, kommt bei 'Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten' voll und ganz auf seine Kosten. Dazu tragen auch die Textpassagen bei, die historischen Dokumenten aus dem Stadtarchiv Nürnberg entnommen sind, sowie die ganzseitigen Illustrationen, die die Kulisse untermalen. Wer Humor und/oder Action sucht, nicht. Trotz der Spannung, die dem Detektivroman innewohnt, entfaltet sich seine Handlung gemächlich - eine Reminiszenz an die damalige Zeit.
Empfohlen von Barbara