Wildhof

Eine Familientragödie.
Ein toter Hund, ein verschwundenes Kind, verzweifelte Eltern.
Eine Schwester, die lebt.

Fünf Jahre nach dem Verschwinden ihrer Zwillingsschwester, verschwindet auch Lina. Ihr Elternhaus, einst Quelle fröhlicher Stunden, ist nicht mehr das, was es einst war. Längst machte sich der Schmerz breit und ertränkte das Fünkchen Lebensfreude, das dort um sein Überleben kämpfte, im Alkohol. An ihrem achtzehnten Geburtstag hält Lina es nicht mehr aus. Sie steht auf und geht, lässt ihre Eltern und ihre besten Freunde Nicki, Toni und Hanno zurück.

Zwölf Jahre später ist sie wieder da. Die Freunde immer noch.

Nie hätte Lina gedacht, dass Hanno in Wildhof bleiben würde, aber es gibt so Menschen, die haben alles in sich, die brauchen von außen gar nichts mehr, es ist egal, wohin sie gehen, weil sie in sich selbst zu Hause sind.

Zitat Seite 69

Die Eltern nicht mehr. Sie sind tot und der Grund für Linas Rückkehr. Sie muss die Formalitäten rund um die Beerdigung und den Verkauf des Hauses organisieren. Das möchte sie lieber gestern als morgen loswerden und bietet es unter Wert zum Verkauf an.

Lina lebt. Lina kämpft. Lina leidet. Hört Stimmen, sieht Dinge. Ist impulsiv, dissoziiert und steht unter Druck. Weil sie schon einmal die Nerven verlor, steht sie unter Bewährung. Eine Woche hat sie noch. "Das schaffst Du", ist sich die Bewährungshelferin sicher. Das wäre doch gelacht.

Zu lachen gibt es in dem Roman 'Wildhof' - ein Schwarzwaldort mit einem Fantasienamen, der anhand der geographischen Beschreibungen an Bad Wildbad erinnert - allerdings nichts. Stattdessen spielt er mit der Düsternis enger Schwarzwaldtäler, über die sich Unwetter ergießen, wenn Lina, von Backflashs überflutet, in dissoziierenden Gedanken versinkt. Sie gleichen den Schlingpflanzen, Moorgräsern und Sumpfhalmen im Moor, die unter Wasser lang und hungrig sind und uns mir nichts, dir nichts in Linas Gedanken- und Gefühlswelt abgleiten lassen.

Es klingt, als würden die Bäume ihre Wurzeln aus der Erde reißen und ins Tal stampfen. Als würden die Berge schreien.
(...) es gurgelt und bricht aus ihr heraus (...)

Zitat Seite 127

Das ist fürwahr harter Tobak, aber eine literarische Glanzleistung an deren Ende Hoffnung keimt.

So muss sich die Wüste fühlen, wenn es das erste Mal wieder regnet, und kein Unwetter zur Abwechslung, es ist ein schüchterner, kleiner Sommerregen, ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte, an Nahrung und Heilung und zarten Pflänzchen und bunten Blumen und Leben und überhaupt.

Zitat Seite 127

Nichts muss bleiben, wie es war. Veränderungen sind möglich. Sie sind schmerzhaft. Sie sind heilsam.
Wir lesen davon und hoffen es fürs Leben.

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