Wie meine Familie das Sprechen lernte

Alev ist in Köln in einem deutsch-türkischen Elternhaus aufgewachsen. Die Sommer verbringt sie seit jeher beim türkischen Teil ihrer Familie.
Da für Alev die eigene Herkunft lange im Ungefähren liegt, hat sie kaum Worte für ihre Geschichte und die ihrer Familie.
Als sie erfährt, dass ihr Onkel Cem in Istanbul im Koma liegt, beginnt sie die Geschichte ihrer Familie zu erfragen:

"Ich werde dir erzählen, wie es war, Alev. Weil du gefragt hast. Es ist gut, dass du so viel fragst. Es sind gute Fragen. […]
Niemand kennt unsere Geschichte... Es ist keine bekannte Geschichte, weißt du. Niemand hat sie je aufgeschrieben. Aber es ist unsere Geschichte. [...]
Ich vertraue sie dir an, ich schenke sie dir, oder sagen wir, ich schenke dir meinen Teil der Geschichte."

Zitat Seite 305

Es ist die Geschichte ihrer alevitischen Familie - eine verdrängte Geschichte von Migration, politischer Verfolgung, Ausgrenzung und Gewalt sowie Verlust.

Die Autorin Leyla Bektaş verbindet in ihrem einfühlsamen Roman geschickt verschiedene Zeitebenen miteinander und wechselt vom Jahr 2017 in die Vergangenheit, die 1970er Jahre als Alevs Vater nach Deutschland kam und in der Türkei Progrome gegen Aleviten stattfanden.

Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage in der Türkei nach dem Putschversuch 2016 entsteht ein berührendes Familienporträt über Erinnern, Verletzungen und den Mut, das Schweigen zu brechen.

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