Nichts als Tage

Nichts als Tage, nichts als Plage.
Wie viel Freud, wie viel Leid kann ein Mensch ertragen?

Familiengeschichten des 20. Jahrhunderts bergen viele Tote. Kinder, die ihren ersten Geburtstag nicht erlebt haben. Geschwister oder Elternteile, die durch tragische Unfälle aus dem Leben gerissen wurden. Söhne, Brüder, Freunde und Männer, die nicht von den Schlachten zurückkehrten, in die sie geführt wurden. Töchter, Mädchen und Frauen, die gedemütigt und in den Tod getrieben wurden.

Nicht alle dieser Geschichten bringt Susanne Steck in ‚Nichts als Tage‘ zur Sprache. Aber die einer Familie auf dem Land, denn sie

"muss erzählt werden. Wann fängt sie an?"

Zitat Seite 7

1889 mit dem ersten Unglück, das Manfred noch Jahre später als erwachsenen Mann bedrückt.

1914 ist er glücklicherweise schon zu alt, um eingezogen zu werden. Doch das bedeutet nicht, dass die Familie des Land- und Bärenwirts in einem kleinen Dorf am Rand des Schwarzwalds von Leid verschont bleibt. Weder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, noch in späteren Jahren, denn die Chronik der Familie endet 1978. Dazwischen liegt ein weiterer Weltkrieg, in den einer der Söhne bereits 1940 einberufen wurde, liegen unerfüllte Hoffnungen, Entbehrungen und viel Leid.

Aber nicht nur. Denn ‚Nichts als Tage‘ handelt auch von Tagen des Glücks, der Erleichterung, der Zuversicht und des Zusammenhalts - der Frauen, der Mütter, der Schwestern und dem der Männer der Familie auch - und immer wieder des Neuanfangs, allen Schicksalsschlägen zum Trotz. Weil die Lebenden das Erlebte - das Gute ebenso wie das andere - miteinander teilen, bleiben sie eng miteinander verbunden.

„Lange saßen sie eng umschlungen auf der Couch und lasen den Brief ein ums andere Mal. So schön und doch so traurig. (…) Er erzählte, worüber er so lange geschwiegen hatte. Sagte, er sehe alles genau vor sich, als käme er noch einmal durch die Stalltür. Damals.“

Zitat Seite 101

Tage kommen und gehen. Gute und andere. Welche behalten wir in Erinnerung?
Verdrängen wir die schlechten, und mit ihnen das Leid, das sie brachten, bis hin zu den Verstorbenen, aus Sorge, sonst nicht weiterleben zu können?
Wer ‚Nichts als Tage‘ liest, merkt, dass beides möglich ist: Nach vorne zu schauen und sich zu erinnern. Denn es sind Tage, nichts als Tage, die das Auf und Ab des Lebens ausmachen. Eines jeden Lebens ausmachen.

Ein Buch für alle, die Generationen-Geschichten lieben und sich mit Biographiearbeit beschäftigen. Vielleicht regt sie ‚Nichts als Tage’ dazu an, in der eigenen Familie nach den alten, noch nicht gestorbenen Geschichten zu fragen.

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