Heimat

Jana zieht mit Mann und zwei Kindern - das dritte ist unterwegs - in ein neues Familienwohngebiet weit draußen. In der Stadt ist Wohnraum, wie sie ihn sich vorstellen, unbezahlbar. Denn Janas Gehalt entfällt. Sie hat ihren Agenturjob gekündigt. Das ist der erste von weiteren Konflikten zwischen Jana und ihrem Mann Noah.

Die Region, in die sie mit ihrer Familie zieht, ist AfD-verseucht. 'So schlimm wird es nicht sein', hoffen sie, handelt es sich doch um ein Neubaugebiet, in dem noch viele andere Familien aus der Stadt leben. Die Trampoline in den Vorgärten zeugen davon. Doch es ist so, wie vermutet. Noah stellt sich dagegen, verbringt aber sowieso viel Zeit an der Schule. Mehr als Jana lieb ist. Denn Noah ist Lehrer, engagierter Lehrer. Kontakte im Ort hat er keine, für das Sozialleben ist sie zuständig.

Im Café lernt sie Karolin kennen - und ist spontan begeistert von ihr. Ihr Auftreten (sie zitiert Rilke), ihr Stil, ihre Lässigkeit - wow! Jana folgt ihr auf Instagram. Wieder wow: Eine - wieder Lyrik zitierende - intelligente Frau, die mit ihrer Familie in einem Haus am Waldrand lebt und ihren Lifestyle zelebriert. Ihren traditionellen Lifestyle zelebriert. Fünf Kinder, die sie - außer den Schulkindern - zu Hause betreut. In ihrem Garten baut sie Obst und Gemüse an, bäckt, kocht und und und - scheint unglaublich glücklich und zufrieden zu sein. Was Jana definitiv nicht ist.

Was folgt, ist eine Einladung zum Spielen, zum Mama-Lesekreis, in dem keine Lyrik, sondern rückwärtsgewandte Erziehungsratgeber gelesen werden, und eine sich wandelnde Jana, über die sich sowohl ihre Mutter als auch ihr Mann wundern. Und manchmal auch Jana über sich. Denn sie nimmt auch eine andere Seite an Karolin wahr, aber das kann ja nicht wahr sein ...

Als Journalistin stellt Hanna Lühmann in 'Heimat' viele Fragen. Denen bin ich gerne gefolgt. Als Autorin eines Romans hätte ich mir allerdings ein anderes Ende von ihr gewünscht. Ihres provoziert und regt zu Gesprächen an. Das ist super! Ihr Jana-Fazit hingegen - Frauen erliegen dem Charisma von Männern und lassen sich deshalb verführen - macht mich sprachlos. Oder ist das mit Janas Wegsehen vergleichbar?

Empfohlen von Barbara
Als Argon Hörbuch gehört, gelesen von Heike Warmuth


Kategorie