Dschinns

In Fatma Aydemirs ('Eure Heimat ist unser Albtraum') deutsch-türkischem Familienroman 'Dschinns' geht es um Hüseyin, der dreißig Jahre in Deutschland als Gastarbeiter geschuftet hat. Erst als er in Rente ist -völlig erschöpft von den langen Tagen und Nächten am Brennofen- erfüllt er sich seinen lang gehegten Traum: Eine Eigentumswohnung in Istanbul. Am Tag des Einzugs jedoch stirbt er an einem Herzinfarkt, ohne die Wohnung je seiner Familie gezeigt haben zu können.
Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemir erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Voller Wucht fragt "Dschinns" nach dem Gebilde Familie und richtet den Blick sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft.

Fatma Aydemir zeigt zwischen ihren Zeilen eine kämpferische Unerbitterlichkeit. Sie erzählt von Migrationserfahrung, von Rassismus, mehrdimensionalen Identitäten, weiblicher Selbstermächtigung, von Klassismus und Sexualität. Und das alles auf so eine realistisch erscheinende Art und Weise, dass ich als Leserin das Buch kaum zur Seite legen konnte. Die Autorin führt durch die sechs verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder: die der Eltern, 1979 aus der Türkei nach Deutschland ausgewandert, und die der vier Kinder mit jeweils ganz eigenen Herausforderungen der Heimatsuche.
Das Buch wird gerahmt von der Perspektive der 'Dschinns', einer Art Geister, die in jedem und jeder von uns stecken. Dinge, die auch die Protagonist:innen nicht loslassen, die sie verfolgen. Und die sie manchmal regelrecht auffressen.
Für mich ein in moderner Sprache verfasster, soziologisch sehr dicht geschriebener und spannender Roman mit einem überraschenden Ende!

Eine Empfehlung von Lea


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