Die Nacht der Bärin
Jule braucht Abstand von Jasper. Er hat sie im Streit zu Boden geworfen. Sie weiß nicht, ob sie seinen Entschuldigungen, Beteuerungen und Versprechungen glauben und zu ihm zurückkehren soll. Die Zeit bei Ihren Eltern hilft ihr, sich zu entscheiden.
Während ihres Besuchs hört sie ein Telefonat mit. Ein Anwalt teilt ihrer Mutter mit, dass deren Mutter - Jules Großmutter - gestorben ist. Jule wundert sich über die Reaktion ihrer Mutter. Sie will herausfinden, weshalb sie ihre Großmutter nie kennengelernt hat. Widerwillig beginnt ihre Mutter, von ihrer Kindheit zu erzählen. Von ihrem gewalttätigen Vater, ihrer ohnmächtigen Mutter und der Fantasiewelt, in die sie sich mit ihrer jüngeren Schwester geflüchtet hat.
Angesichts der immensen Opferzahlen häuslicher Gewalt hat der Roman ein tröstliches Ende. Denn die Prügel- und Vergewaltigungsszenen sind trotz ihrer extremen sprachlichen Verdichtung schwer zu ertragen. Ebenso die Kapitelüberschriften, die verbale Entwürdigungen formulieren. Gewalt hat viele Gesichter, dazu gehören auch Sätze wie "Du bist nicht mehr die Frau, die ich geheiratet habe" oder "Deine bescheuerten Freundinnen haben in diesem Haus nichts zu suchen". Entlastend sind hingegen die Szenen im Wald, wo die Schwestern einige Zeit Zuflucht finden.
Kein Wohlfühlroman, aber ein wichtiger.
Empfohlen von Barbara